Stiftung Warentest

Frau mit junger und alter Haut
Dr. Huber Huber-Vorländer

Sind Botox©, Hyaluronsäure und Facelift OP's out bei den aktuellen Cremes zur Faltenbehandlung? Die Stiftung Warentest hat die Wirkungen der Antifaltencremes in ihrer neuesten Ausgabe getestet.

Stiftung Warentest: Was hilft wirklich gegen Falten?

Wo immer sich Falten im Gesicht einer Frau ansiedeln, betrachtet sie diese mit wachsender Sorge. Bei Männern setzt das Altern eine positiv bewertete Falten-Patina aus Erfahrung, Männlichkeit und Sex-Appeal an. Bei Frauen gilt der Glaubenssatz, dass ihre Schönheit mit jedem Lebensjahr mehr schwindet. Daraus beziehen zahllose Kosmetikfirmen ihre Umsätze. Faltencremes und Anti-Aging-Lotionen sind teuer. Sie versprechen Unglaubliches. Ob sie tatsächlich wirken, wollte die Stiftung Warentest im Dezember 2015 ermitteln. 

Testergebnis: Alles Schummel

Der Herz-und-Nieren-Check der Stiftung Warentest belegt, dass unter den getesteten neun Antifaltencremes keine einzige die versprochenen Wirkungen zeitigte.
Erstmals vergab die Stiftung Warentest für alle getesteten Produkte die Note "mangelhaft".
Alle Werbeversprechen erwiesen sich beim Test als Worthülsen. Das schlechte Testergebnis kam unabhängig vom Preis der Produkte und ihrer Inhaltsstoffe zustande. Als Testerinnen hatten sich 270 Frauen zur Verfügung gestellt. Der Test erstreckte sich über vier Wochen - den Mindestzeitraum, in dem man erste Wirkungen erkennen sollte.

Augenscheinlich kann man Falten besser mit Botox©, Laser, Hyaluronsäure oder kosmetischen Straffungsverfahren zu Leibe rücken.

Ab jetzt gilt: Laserbehandlungen wirken besser als Kosmetikprodukte. Hyaluronsäure wirkt als Unterspritzung anders als in einer kosmetischen Anti-Falten-Creme. Das Testergebnis lässt die Arbeit von Schönheitskliniken in neuem Licht erscheinen. 

Die Testergebnisse überraschen nicht

Die Mitwirkenden am Test behandelten nur eine Gesichtshälfte mit einer Anti-Faltencreme. Die andere Gesichtshälfte wurde mit einer Feuchtigkeitscreme gepflegt. Der Vorher-Nachher-Fotovergleich ergab keinen sichtbaren Einfluss der kosmetischen Produkte auf die Gesichtshaut. Selbst in der Augenpartie ließ sich kein gemildertes Fältchen ermitteln. Die abgedeckten Augenpartien der Vorher-Nachher-Fotos wurden Experten zum Vergleich vorgelegt. Den Experten war nicht bekannt, welche Gesichtsseite mit unterschiedlich teuren Anti-Aging-Pflegecremes und welche nur mit Feuchtigkeitscreme behandelt worden war. Sie wussten nicht einmal, welches Foto das Vorher-Foto und welches das Nachher-Bild war.

Kosmetisches Placebo versus Schönheitsklinik?

Noch spannender war, dass die Testerinnen über die erzielten Ergebnisse ganz anderer Meinung waren. Sie hatten häufig das Gefühl, dass Ihre Augenfältchen gemildert waren. An diese subjektiven Gefühle appellieren alle Werbeversprechen der Kosmetikhersteller. Es ist reine Psychologie, was Kosmetikhersteller den Frauen in die Hand geben. Im Grund könnte man alle Anti-Falten-Cremes und -Lotionen als kosmetisches Placebo bezeichnen. Manches davon bietet der Haut nicht einmal genügend Feuchtigkeit.
Kosmetische Produkte dringen gar nicht tief genug in die Haut ein, um wirken zu können.

Falten entstehen durch natürliche Alterungsprozesse. Sie mehren sich durch erbliche Komponenten. Auch wenn man wenig schläft, viel raucht, Alkohol trinkt und eine Sonnenbank benutzt, wird die Faltenmenge sich erhöhen.
In einer Schönheitsklinik können tiefe Stirnfalten oder Mundfalten mit Botox© oder Hyaluronsäure behandelt werden. Beides zeigt sichtbare Effekte, weil Falten unterspritzt werden bzw. die Falten durch Botulinumtoxin entspannt werden. Hautlaserungen mit dem CO2 Laser oder operative Eingriffe stellen weitere Möglichkeiten der effektiven Faltenbehandlung dar. Mit diesen Mitteln kann man tatsächlich ein jüngeres, vitaleres Aussehen erzielen.
Insbesondere durch die Kombination der verschiedenen Behandlungsmöglichkeiten erhält man ein optimales Ergebnis.

Die Frage aller Fragen

Warum wählen die Frauen dann trotzdem lieber den kosmetischen Weg?
Vorrangig wegen des Preises und der Angst vor operativen Eingriffen. Die Behandlung von störenden Falten mittels Laser, Hyaluronsäure oder Botox© kostet deutlich mehr als eine Faltencreme. Kosmetische Operationen sind operative Eingriffe. Obwohl diese aufgrund der Planbarkeit sehr risikoarm sind, bergen sie gewisse Risiken. Den Rest besorgen die Werbeversprechen mit geschönten Vorher-Nachher-Bildern bei kosmetischen Produkten, die mittels "Photoshop"-Hilfe retuschiert wurden.
Rechnet man aber die Kosten einer jahrelangen Behandlung mit wirkungslosen Produkten mit einer sichtbar erfolgreichen Methode auf, ergibt sich am Ende ein anderes Bild.
​​​​​​​Die lohnendere Investition findet sich also in der Schönheitsklinik.

Zuvor allerdings kann jeder etwas tun, um der zunehmenden Hautalterung etwas entgegenzusetzen. Durch gesunde Ernährung, ausreichend Schlaf, die Meidung von intensiver Sonneneinstrahlung, Nikotinverzicht oder das Trinken von ausreichend Mineralwasser vermindert das Risiko einer frühzeitigen Hautalterung.
Behandlungen zur Gesichtsverjüngung durch Facelifting​​​​​​​, Hyaluronsäure und Botox© sind dann nicht in frühen Jahren für ein merklich frischeres und jüngeres Aussehen erforderlich. 

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